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Projekt 24: Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen

Schroffe Naturschönheiten

Es mag überraschend klingen, aber weite Teile der Altbergbauflächen in der Niederlausitz stehen unter Naturschutz – und das hat gute Gründe: Durch den Bergbau sind nur scheinbar »tote« Mondlandschaften entstanden. Viele dieser völlig neuartigen Landschaften sind biologisch sehr wertvoll. Auf den vom Bergbau zurückgelassenen Rohböden erobert sich die Natur rasch Lebensräume für Pflanzen und Tiere zurück. Auch in Wanninchen lässt sich Evolution im Zeitraffer beobachten.

AUSGANGSSITUATION

Wanninchen war eines von mehreren kleinen Dörfern, die bis zur Stilllegung des Tagebaus Schlabendorf-Süd »überbaggert« wurden, wie das in der Sprache der Bergarbeiter heißt. Lediglich ein Bauernhof blieb stehen und erinnert bis heute an den verschwundenen Ort. Doch bereits kurz nach Beendigung des Braunkohleabbaus kehrte Leben zurück nach Wanninchen: Schnell siedelten sich spezialisierte und zum Teil selten gewordene Tier- und Pflanzenarten an, Pioniere wie Sandschrecken, Sandohrwürmer und Steinschmätzer.
Im Zuge der Bergbausanierung, die zur Herstellung der bergrechtlich geforderten Sicherheit notwendig ist, wurden von der LMBV Voraussetzungen für eine spätere strukturreiche Entwicklung geschaffen. Wichtige Bestandteile sind die Schaffung von Inseln in den Seen, die Gestaltung abwechslungsreicher Uferlinien und die Entwicklung artenreicher Waldbestände. Mit dem Ende der Flächensanierung begann der zuvor um rund 40 Meter abgesenkte Wasserspiegel wieder zu steigen. Schon nach wenigen Jahren wurde vielerorts die Dynamik der Selbstheilungskräfte der Natur sichtbar. Anders als in den meisten künstlichen Seen des Lausitzer Seenlandes wurden hier die Braunkohlerestlöcher nicht geflutet. Nach und nach füllte das aufsteigende Grundwasser die Gruben und ließ ausgedehnte Wasserflächen und Feuchtgebiete entstehen. Enten, Flussregenpfeifer, Wiedehopfe und andere Vogelarten folgten den Pionieren, auch verschiedene Amphibien siedelten sich an.

PROJEKTVERLAUF

Die Heinz Sielmann Stiftung erwarb über 3000 Hektar im Naturpark Niederlausitzer Landrücken, um langfristigen Schutz ohne Störungen durch andere Nutzungsinteressen sicherzustellen. Sanddünen, Magerrasengesellschaften, Mischwälder und Wasserflächen bestimmen mittlerweile das Erscheinungsbild in »Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen«. Großflächig wird hier die Natur sich selbst überlassen. In dem einzig verbliebenen alten Bauernhof des Dorfes Wanninchen richtete die Stiftung ihr Naturparkzentrum ein. Auf dem Gelände befinden sich eine Streuobstwiese, ein Weiher, ein kleines Moor und ein Findlingsgarten. In einer künstlich angelegten Uferschwalben-Nistwand können bis zu 130 Vogelpaare gleichzeitig brüten, was für Besucher ein interessantes Schauspiel bietet. Sogar die selten gewordenen Kraniche haben das Gebiet für sich entdeckt und können hier im Herbst regelmäßig beobachtet werden.

Seit 2002 werden zahlreiche Veranstaltungen angeboten. Vor allem Kinder und Jugendliche können im Rahmen der »Tage voller Wunder« – dem Natur-Erlebnisprogramm der Heinz Sielmann Stiftung – lernen, die Natur wieder mit allen Sinnen wahrzunehmen, sie zu schätzen und verantwortungsvoll mit ihr umzugehen. 2005 wurde »Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen« ein IBA-Projekt, um innerhalb des IBA-Arbeitsschwerpunktes »Neue Landschaften« das Thema Naturschutz zu verankern und damit auch auf andere, nach dem Bergbau entstehende Naturschutzgebiete hinzuweisen. Denn auch das »Naturparadies Grünhaus« bei Lauchhammer und das sächsische »Naturschutzgroßprojekt Lausitzer Seenland« zeigen Alternativen und notwendige Ergänzungen zur rein touristischen Entwicklung der Bergbaufolgeseen auf.

Für Bevölkerung und Besucher wurden in Wanninchen naturnahe Erholungsräume geschaffen. Dazu dienen etwa ausgeschilderte Rundwanderwege, die der bewussten Besucherlenkung dienen und Einblicke in die dynamische Entwicklung der Landschaft gewähren. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei das umfangreiche Informations- und Bildungsangebot des Heinz Sielmann Naturparkzentrums Wanninchen. Die IBA unterstützt die Heinz Sielmann Stiftung bei der Entwicklung und Vermarktung sanfter touristischer Angebote mit einem Schwerpunkt auf Umweltbildung.

AUSBLICK

Die touristische Entwicklung wird vorrangig im nächstgelegenen Ort Schlabendorf stattfinden, wo eine Marina entsteht. Geprägt sein soll der Schlabendorfer See aber von naturbezogener Erholung und sanftem Tourismus. Es gilt eine Balance zwischen Natur und Kultur zu finden.

Flyer zum Download: Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen (827.8 KB)

Öffnungszeiten

1. November bis 7. April: Mo. - Fr. von 10 bis 15 Uhr
9. April bis 31. Oktober: täglich von 10 bis 17 Uhr

Preise

Eintritt inkl. Ausstellung "Verschwundene Orte", Naturerlebnis-Spielplatz und Aussichtsturm
2,00 Euro, erm. 1,00 Euro.

Adresse

Heinz Sielmann Naturparkzentrum Wanninchen
Wanninchen 1, OT Görlsdorf
15926 Luckau

Kontakt

Telefon: +49 (0)3544 – 55 77 55
E-Mail: npz-wanninchen@web.de
www.wanninchen.de

Sehenswertes in der Umgebung

IBA-Projekt "Kulturlandschaft Fürstlich Drehna", Höllberghof bei Langengrassau, Töpferort Crinitz, Kranichbeobachtungsturm in Freesdorf.

Unsere Partner

Heinz Sielmann Stiftung
Naturpark Niederlausitzer Landrücken
Biologischer Arbeitskreis „Alwin Arndt“ Luckau e.V.

Anfahrt

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln
Von den Bahnhöfen Luckau-Uckro und Calau. Weiterfahrt per Rad.
Ab Luckau-Uckro: ca. 27 km (ca. 2 Std.)
Ab Calau: ca. 20 km (ca. 1 Std. 20 min)
Busanschluss ab Bahnhof Luckau-Uckro nach Voranmeldung spätestens am Vortag.
Infos unter Telefon: +49 (0)3544 - 500 10

oder mit dem Auto zum Sielmann Naturparkzentrum Wanninchen.

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letzte Änderungen: 26.1.2017 13:13